Der digitale Messestand – ein überholtes Prinzip
Die Idee war mal richtig:
Man stellt sich online genauso auf wie auf der Messe – mit Bannern, Slogans, Produktpräsentationen und einem großen „Willkommen bei uns!“.
Nur: Das Internet ist keine Messehalle.
Niemand läuft zufällig vorbei. Niemand bleibt stehen, weil das Roll-Up schön glänzt.
Die meisten Websites stecken noch in diesem Denken fest:
„Wenn wir nur alles zeigen, überzeugen wir schon.“
Doch wer heute surft, sucht keine Reizüberflutung, sondern Orientierung.
Symptome eines digitalen Messestands:
- Inhalte, die mehr über das Unternehmen als über den Kunden sprechen
- Hero-Slider mit drei Sekunden Aufmerksamkeitsspanne
- „Unser Team“-Seiten ohne echte Persönlichkeit
- PDF-Downloads, die sich anfühlen wie Messetaschen voller Werbematerial
Warum dieser Ansatz heute scheitert
Das Nutzerverhalten hat sich radikal verändert.
Kunden wollen schnelle Relevanz, nicht repräsentative Hochglanzfolien.
Sie entscheiden in Sekunden, ob sie sich verstanden fühlen oder nicht.
„Die Frage ist nicht, ob du online sichtbar bist. Sondern, ob du online Sinn machst.“
Früher war „Information“ die Währung im B2B-Marketing.
Heute ist es Relevanz – also die Fähigkeit, Inhalte aus der Perspektive des Nutzers zu erzählen.
Drei zentrale Gründe, warum Websites heute versanden:
- Sie kommunizieren von innen nach außen.
Der Besucher soll verstehen, was das Unternehmen tut – statt, dass das Unternehmen zeigt, dass es den Besucher versteht. - Sie versuchen zu beeindrucken, statt zu überzeugen.
Visuelle Lautstärke ersetzt strategische Klarheit. - Sie sind gebaut für Suchmaschinen, nicht für Menschen.
Keywords statt Kernbotschaften. SEO statt Empathie.
Vom Messestand zur Erlebnisfläche
Eine gute Website funktioniert nicht wie ein Stand, sondern wie ein Raum:
offen, klar geführt und mit spürbarer Haltung.
Sie bietet Orientierung statt Überforderung.
Sie lädt ein, anstatt zu erklären.
Und sie beantwortet die wichtigste Frage zuerst:
„Bin ich hier richtig?“
Das braucht es dafür:
- Eine klare Kernbotschaft, die in einem Satz hängen bleibt
- Content, der führt, statt zu verlieren – logisch, visuell, emotional
- Menschliche Touchpoints: Gesichter, Stimmen, Stories
- Strategische Leerstellen: Räume, in denen der Nutzer selbst denken darf
Eine Website ist kein Messestand, sondern ein digitales Gespräch. Und Gespräche leben von Interesse, nicht von Lautstärke.
Websites, die wie Messestände wirken, sind das Produkt eines alten Kommunikationsverständnisses:
Zeigen statt verstehen.
Doch Märkte sind keine Ausstellungen mehr. Sie sind Dialoge.
Kunden wollen kein Bühnenprogramm.
Sie wollen Partner, die zuhören, verstehen und Orientierung bieten.
Also: Messestand abbauen. Raum schaffen. Atmosphäre statt Auslage.
TL;DR
Viele Websites sind digitale Nachbauten vergangener Messehallen:
laut, überladen, austauschbar. Die Logik: „Wer viel zeigt, wirkt groß.“
Die Realität: Überforderung, Scroll-Müdigkeit, Desinteresse.
Was heute zählt:
B2B-Kunden wollen nicht sehen, was du hast, sondern spüren, dass du sie verstehst.
Drei Dinge machen den Unterschied:
- Relevanz: Inhalte, die die Perspektive des Kunden spiegeln.
- Klarheit: Struktur, die Orientierung gibt statt Marketing-Blabla.
- Erlebnis: Eine Website, die sich wie ein Gespräch anfühlt – nicht wie eine PowerPoint-Schlacht.
Die harte Wahrheit:
Jede Website, die sich wie ein Messestand anfühlt, hat das gleiche Problem:
Sie redet zu viel über sich – und zu wenig mit ihrem Gegenüber.
Die Zukunft gehört Marken, die den Raum öffnen, statt ihn zu bespielen. Die zuhören, bevor sie reden. Und deren Websites nicht schreien müssen, um gehört zu werden.












